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Sommerakademie: Demokratieentwicklung professionalisieren

13-09-2019

Vom 23. bis 25. August 2019 fand die erste Sommerakademie für Demokratieentwicklung statt. Ausgerichtet wurde diese von der Akademie für Lernende Demokratie (einem Projekt von Democracy International), dem Weltethos-Institut der Universität Tübingen und dem Procedere Verbund für prozedurale Praxis.

Das Wochenendseminar widmete sich den Fragen, was Demokratieentwicklung bedeutet, warum wir sie brauchen und wie das Konzept sowohl verbreitet als auch professionalisiert werden kann.

von Phoebe Fuhrmann

Wir trafen uns in dem schönen Universitätsstädtchen Tübingen, um uns unter der Leitung von Dr. Raban D. Fuhrmann (Akademie für Lernende Demokratie) und Dr. Christopher Gohl (Weltethos-Institut) mit Demokratieentwicklung zu beschäftigen. Die Gruppe bildete sich zum einen aus Wissenschaftler*innen und Expert*innen für Politik, Demokratie und Organisationsentwicklung, und zum anderen aus Studierenden, die sich einfach für das Thema interessierten. Diese Diversität sorgte in den folgenden Tagen immer wieder für rege Diskussionen und unterschiedliche Blickwinkel, was die Sommerakademie und ihre Ergebnisse bereicherte.

Der Freitagabend begann mit einem entspannten Ankommen, sich Kennenlernen und einem Einstieg in das Thema. Zunächst ging es darum, was Demokratieentwicklung bedeutet und wozu sie da sein sollte. Viele der Teilnehmenden hatten sich für die Sommerakademie entschieden, weil ihnen das Thema spannend erschien. Sie konnten sich aber darunter noch nicht viel vorstellen. Es wurde schnell klar, dass Demokratieentwicklung bedeutet, unsere Demokratie zu einem lernenden, reflektierenden System zu entwickeln, das die enormen Herausforderungen des 21. Jahrhundert besser meistern kann, als es das momentan tut. Auch als Reaktion darauf, dass immer mehr Menschen das Vertrauen in die Demokratie und Politik verlieren und sich daher populistischen Parteien und Bewegungen zuwenden oder sich ganz von der Politik abwenden.

Am Samstagmorgen versammelten wir uns – obwohl die Sonne draußen lockte – wieder in den Räumlichkeiten des Weltethos-Instituts, um tiefer in das Thema einzusteigen. Der erste Input widmete sich der Frage, was es bedeutet, professionell in der Demokratieentwicklung tätig zu sein, beziehungsweise was das Ethos dieser Tätigkeit sein sollte. Besonders hervorgehoben wurde, dass Demokratieentwickler*innen eine optimistische Zukunftseinstellung haben sollten. Sie sollten die Haltung vertreten, dass wir gemeinsam unsere Demokratien und Gesellschaften besser gestalten können. Demokratieentwickler*innen sollen ihre Hauptaufgabe darin sehen, Dialogfähigkeit zu stärken und dafür zu sorgen, dass unsere demokratischen Prozesse besser, partizipativer und nachhaltiger ablaufen. Demokratieentwickler*innen legen also ihren Fokus auf die Ausgestaltung politischer und gesellschaftlicher Prozesse und verfügen dabei über die Fähigkeiten diese Prozesse so zu gestalten, dass dabei umsetzbare Lösungen herauskommen. Aus der anschließenden Diskussion blieb mir besonders im Kopf, dass Demokratie-entwickler*innen keine Angst vor Komplexität haben sollten, denn ebenso wie unsere gesellschaftlichen Herausforderungen hochkomplex sind, müssen auch die passenden Lösungen komplex sein.

Unter den Teilnehmenden herrschte zu diesem Zeitpunkt immer noch einige Unklarheit darüber, was Demokratieentwicklung konkret bedeutet und an welchen Punkten sie ansetzen sollte. Durch einen Input über die Aufgabenfelder von Demokratieentwicklung wurde dies jedoch deutlicher: Sie soll an den diversen Schnittstellen unserer Gesellschaft und Demokratie ansetzen, die notwendig für die Kooperation und damit das Funktionieren der politischen und gesellschaftlichen Prozesse sind. Dazu zählt klassischerweise die Beteiligung der Bürger*innen an der Politik, beispielsweise durch Referenden oder Befragungen. Wichtige Stellen sind aber auch die Kooperationen zwischen den verschiedenen politischen und administrativen Ebenen und Abteilungen, zwischen verschiedenen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen oder zwischen dem politischen System und jenen Gruppen, die nicht gut eingebunden und gesellschaftlich marginalisiert sind. Demokratieentwicklung soll an all diesen Schnittstellen ansetzen und dafür sorgen, dass die Beteiligung und damit die Kooperation besser funktioniert.

Die Seminarleiter stellten auch die Idee vor, dass es eine zentrale Schnittstelle geben könnte, die diese ganzen Entwicklungsarbeiten koordiniert und quasi zur vierten Säule des Staates neben Exekutive, Judikative und Legislative wird. Von den Teilnehmenden wurden diese Ideen positiv aufgenommen. Verschiedene Personen fügten allerdings hinzu, dass solch eine ganzheitliche Entwicklung nur möglich sei, wenn zunächst ein Großteil der Bürger*innen davon überzeugt wird, dass Demokratieentwicklung möglich und nötig ist. Dies wurde als sehr schwierige Aufgabe eingeschätzt. Von anderer Seite wurde ergänzt, dass ebenso die Mächtigen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft erreicht werden müssten, denn ohne sie wäre eine tatsächliche Einführung und vor allem eine Professionalisierung und Institutionalisierung von Demokratieentwicklung nicht möglich.

Im Anschluss machten wir uns gemeinsam darüber Gedanken, über welche konkreten Fähigkeiten und Fertigkeiten Demokratieentwickler*innen verfügen müssten. Unter anderem wurde Moderation, Mediation und Prozessgestaltung mit ihren zahlreichen Methoden und Tools genannt. Ebenso müssten Demokratieentwickler*innen Visionäre*innen sein und Menschen begeistern können. Sie sollten die Fähigkeit besitzen, Menschen aus verschiedenen Milieus und Hintergründen zu verstehen und mit ihnen entsprechend kommunizieren zu können. Dr. Fuhrmann stellte schließlich einen Curriculumsentwurf für eine mögliche Ausbildung oder ein Studium für Demokratieentwicklung vor, der die von uns gesammelten und ergänzende Fähigkeiten und Themen enthielt. Den Abend ließen wir mit einem gemeinsamen Spaziergang durch die Stadt und einem Abendessen ausklingen, bei dem wir unsere Ideen und Fragen weitergesponnen haben, uns aber auch persönlich besser kennenlernten.

Am letzten Tag ging es darum, persönliche Schlüsse zu ziehen, zu überlegen, wie wir mit dem Thema weiter verfahren sollten und welche Schritte möglich wären, um Demokratieentwicklung zu verbreiten und zu professionalisieren. In einer kreativen Gruppenarbeit malten und zeichneten wir die Vision und Strategie für Demokratieentwicklung, indem wir unserer Demokratie und deren Entwicklung einmal als Garten sowie als Schiff darstellten. Zunächst wirkten einige Teilnehmende ein wenig skeptisch, ob dieser eher ungewöhnlichen Methode. Wenig später sah man jedoch alle begeistert die Stifte zücken und Blumen (als gesellschaftliche und sozialstaatliche Errungenschaften), Piraten (als populistische und rechtsextreme Bewegungen und Parteien) und vieles weitere malen. In der anschließenden Besprechung unserer Bilder wurde deutlich, was die meisten Teilnehmenden als wichtigste Punkte und Schritte der Demokratieentwicklung sahen: Demokratieentwicklung sollte nicht nur Politiker*innen und Verwaltungsmitarbeiter*innen, sondern auch Bürger*innen erreichen. Dafür sollte es Räume geben, die gemeinsam von Städten und Kommunen sowie der Wirtschaft und Zivilgesellschaft aufgezogen werden und in denen Ideen und Projekte für unserer Demokratie und unserer Zukunft erdacht, unterstützt und auf den Weg gebracht werden können. Dafür benötigt es jedoch ausgebildete und fähige Expert*innen, weswegen die Gruppe auch eine Schule oder Ausbildung für Demokratieentwicklung befürwortete.

In der Abschlussrunde konnten wir alle nochmals die vergangenen Tage Revue passieren lassen und die persönlich wichtigsten Erkenntnisse sowie eigene Handlungsideen vorstellen. Interessant war, dass alle Teilnehmenden dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen, je nachdem was ihre Hintergründe waren. Für einen Lehramtsstudenten war beispielsweise besonders wichtig, dass er die Lust und das Vertrauen an Demokratie mehr in sein zukünftiges Unterrichten einfließen lassen will. Für uns alle waren es spannende und intensive Tage. Nun wird sich zeigen, welche nächsten Schritte wir auf dem Weg hin zu einer lernenden Demokratie weiter gehen können.

 

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